Unterwegs auf der südlichen GTA

Erfahrungen von meiner dreieinhalbwöchigen Wanderung von Susa nach Menton — 10 Tipps für Fernwanderer

Der südliche Teil der GTA führt durch die Alpen vom Val de Susa bis zum Mittelmeer.

Noch fühlen sich all die Erfahrungen und Erlebnisse so nah an: Vor wenigen Tagen bin ich aus Nizza von meiner großen Wanderung zurückgekehrt.
21 Tage Wanderung und drei Pausentage auf der “Grande Traversata delle Alpi”, dem Fernwanderweg im italienischen Piemont, der im südlichen Teil vom Val di Susa bei Turin entlang des Alpenhauptkamms durch die Cottischen und die See-Alpen immer nach Süden bis ans Mittelmeer führt. Ab dem Monte Argentera habe ich allerdings die klassische GTA verlassen und folgte dem französischen Fernwanderweg GR52, da man mit ihm die Strecke bis ans Meer in nur zwei Tagen zurücklegen kann.

glich bin ich etwa 6 bis 7 Stunden gewandert; der Weg ist so angelegt, dass man immer in den Tälern einen “Posto tappa”, eine Wanderunterkunft, findet, wo man etwas zu Essen und ein Bett bekommt, und dann geht es morgens auf einen hohen Pass, hinüber ins nächste Tal und wieder hinunter zur nächsten Unterkunft. In den Seealpen gibt es weniger Dörfer, dort übernachtet man dann in richtigen Refugios (Berghütten). Und ich hatte Zelt, Schlafsack und Kocher dabei, so dass ich an schönen Stellen einfach bleiben und die Etappen flexibler einteilen konnte.

So komme ich auf “nur” 350 zurückgelegte Kilometer, aber auf 27.000 Höhenmeter bergauf und 27.800 Höhenmeter bergab, gemessen mit meiner GPS-Uhr. Eine Art Reisebericht mit den schönsten Bildern habe ich während der Reise auf Instagram geführt, Hashtag #aufderGTA.

Einen weiteren Reisebericht brauche ich also eigentlich gar nicht zu schreiben. Allerdings bin ich noch so glücklich über diese fantastische Reise, dass ich gerne davon erzählen möchte. Ich hatte mich viele Monate vorbereitet und nun das Gefühl, dass es ziemlich toll gelaufen ist. Vielleicht hat jemand von Euch Lust, etwas Ähnliches zu machen, auf der GTA oder woanders, und freut sich über die Tipps?

Wie ist es mir ergangen?

Unglaublich gut. :-)

Ausrüstung, Gesundheit, Wetter, Landschaft, Etappen – alles hat gepasst. Es ist wirklich erstaunlich, wenn du nach ein paar Tagen vor einem himmelhohen Berghang stehst und ihn dann halt einfach hochläufst – trotz 16, 17 Kilo Gepäck ohne groß aus der Puste zu geraten. Nach einer Woche begann ich, mich über meine kurze Wanderhose zu ärgern, weil das Bündchen scheinbar ausleierte und sie ständig rutschte. Erst nach einer weiteren Woche fiel mir ein, dass das ja vielleicht auch an mir gelegen haben könnte … (4 Kilo abgenommen!)

Alleine zu wandern ist gut. So viel Zeit zum Denken oder einfach nur zum Erleben und Spüren, dass du lebendig bist! Ich bin vielleicht an jedem Tag zwei oder drei Wanderern oder kleineren Gruppen begegnet, außer am Wochenende, wenn die sportlichen Franzosen auf irgendeinen Gipfel rennen und wieder runter zum Auto — oder die Italiener sich in der Nähe des letzten Parkplatzes an den Bach legen und sonnen. Aber dann gehst du ins nächste Tal und siehst niemanden mehr. Ich hatte einige Abende mit nur einem anderen Pärchen auf der Hütte oder ganz alleine im Zelt an einem einsamen Bergsee. Hin und wieder traf man andere Fernwanderer, das war immer anregend und sehr nett.

Interessant war, wie sich der Tagesablauf wandelte: Du startest früh, um die noch kühle und klare Luft zu genießen und die zunehmende Bewölkung und mögliche Gewitter am späten Nachmittag zu vermeiden. Selbst, wenn du dann acht Stunden unterwegs bist, kannst du doch schon um 15 Uhr dein Zelt aufschlagen. Dann ausruhen, kochen um 18 Uhr, noch etwas lesen — um 21 Uhr fallen die Augen zu und um halb sechs wachst du mit dem Tageslicht wieder auf …

Ein paar Themen haben mich schon in der Vorbereitung sehr beschäftigt — oder ich wurde immer wieder danach gefragt:

Hier kommen 10 Tipps für eine Weitwanderung — nicht nur auf der GTA!

1. Wanderführer und gute Karten

Ich wanderte nach einem der zwei Standard-Wanderführer, dem „Bätzing“. Die zweite Art von GTA-Wanderern bevorzugt den „Rother“. Bätzing ist speziell für die Vorbereitung extrem hilfreich, da viele Hintergründe und Kulturelles beschrieben werden. Unterwegs helfen die exakte Wegbeschreibung und die Kontaktdaten für die Unterkünfte, bei denen man tunlichst einen Tag vorher anruft, damit sie das Essen planen können. Allerdings übernehmen das auch gerne die Gastgeber der letzten Nacht für einen. Mit einer guten Karte ist die exakte Wegbeschreibung im Buch eigentlich unnötig, die Markierungen waren durchwegs gut. Man könnte also ggf. auf die 418g Buch unterwegs verzichten. Ein paar Infos und Tipps wie alternative Unterkünfte, Einkaufsmöglichkeiten oder Warnungen vor Wassermangel auf einzelnen Etappen würden mir aber fehlen. Mir gab es ein gutes Gefühl, das Buch dabeizuhaben. Allerdings, Anregung: Warum gibt es den Führer nicht als gewichtsneutrales eBook für den Reader? Das ist irgendwie ärgerlich. Andererseits ist Papier auch wiederum irgendwie praktischer handzuhaben ...

Erfreulich sind die neuen Wanderkarten von Fraternali im Maßstab 1:50.000, die sich als extrem detailreich und korrekt erwiesen haben – und: ich brauchte nur drei Karten (50–1 bis 50–3), um meine geplante Strecke (ohne die Ligurischen Alpen) abzudecken! Nur für den letzten Abschnitt auf dem französischen GR52 musste ich noch eine vierte, französische Karte mitnehmen, die schrecklich schlecht war, aber die letzten 3–4 Tage habe ich mich dann mithilfe der guten Markierungen am Weg und meiner digitalen Karte zurechtgefunden, die Strecke konnte man kaum verfehlen.

Für spezielle Situationen habe ich auch mal einfach die 25:000er-Karten von anderen Wanderern oder die Karten, die auf den Hütten aushängen, abfotografiert und hatte so eine zusätzliche Option zur Orientierung.

2. Digitale Karte oder Papier?

Ich würde in den Alpen nie ohne Papierkarte losgehen. Da hätte ich viel zu viel Angst, dass der Akku leer ist oder das Smartphone runterfällt, und ich habe noch keine digitale Karte gesehen, die im Detailreichtum an Papier heranreicht. Außerdem male ich so gerne direkt abends die gelaufene Route in die Karte, einfach, weil ich mir nochmal klar machen möchte, was ich da geschafft habe.

Allerdings habe ich mir in der App „Maps 3D“ die gesamte Karte zusätzlich digital heruntergeladen und konnte so immer gut prüfen, wo ich gerade exakt stehe und wo der Weg verläuft, inklusive der genauen aktuellen Höhenangaben – das war sehr gut bei Nebel oder auf ausgedehnten Schneefeldern, wenn mal die Markierungen nicht sichtbar waren.

Die digitale Karte war für mich also ein gutes Backup. Das muss nicht unbedingt Maps 3D sein — andere bekannte Outdoor-Apps sind sicherlich ebenso gut und hilfreich.

3. Netz, Apps und anderer Digitalkram

Ursprünglich wollte ich den ganzen digitalen Kram eigentlich zuhause lassen. Ich habe einfach keine Lust, meine Zeit in den Bergen am Handy zu verdaddeln. Aber dann reizte es mich doch, mal auszuprobieren, ob Strom und Netz ausreichen, hin und wieder ein Lebenszeichen zu geben und die Strecke mit der TomTom-Uhr zu dokumentieren. Mit einer guten Powerbank und einem 3er-USB-Stecker habe ich immer genug Strom für Telefon, Uhr und E-Book-Reader gehabt, spätestens alle 3 Tage gab’s eine Steckdose auf der Hütte oder im Posto tappa.

Die TomTom-Uhr reicht wegen des energieintensiven GPS-Moduls nur gerade einen Wandertag (etwa 7 Stunden) lang, ist aber mit wenig Strom schnell wieder aufgeladen. Nach der Synchronisation mit der iPhone-App (etwas hakelig, geht nur mit Bluetooth UND Netz) konnte ich Strecke, Dauer, Tempo, Höhenmeter etc. der Etappe auf der Karte ansehen. Gibt bestimmt bessere Tools, aber ich hatte die Uhr schon fürs Laufen und wollte nichts Neues kaufen.

Moooment! 1 Stunde, 27 Minuten für 1,27 km? Ok, das war an meinem Pausentag. :-)

Aus Gewichtsgründen habe ich die gute Spiegelreflexkamera zuhause gelassen und nur mit dem iPhone 6 Fotos gemacht — mit der Qualität bin ich zufrieden. Das Smartphone blieb den ganzen Tag im Flugmodus — das spart extrem Akku. Abends gab’s in den Dörfern der Cottischen Alpen oft gutes Netz, um ein paar Instagram-Bilder zu posten. Weiter im Süden, wo man länger hoch oben in den Bergen bleibt, ist man auch gerne mal vier Tage im absoluten Funkloch.

Neben Maps 3D (mit heruntergeladenen Karten!) habe ich unterwegs nur eine App genutzt — mit viel Vergnügen und auch vollständig offline funktionsfähig: Peakfinder! Sie zeigt Dir mit Augmented Reality auf dem Bild der Kamera alle Gipfel an, mit Höhe, Entfernung und weiteren Features. Technisch sehr ausgereift, das macht richtig Spaß, wenn Du von der Passhöhe Deine nächste Strecke überblicken möchtest.

4. Keine Angst vor den Höhenmetern

Ich hatte ziemlich Respekt vor der Streckenführung der GTA, die auf dem Konzept beruht, den Menschen in den schon halbverlassenen Dörfern des Piemont eine Verdienstmöglichkeit durch „sanften“ Wandertourismus zu schaffen. Das bedeutet, dass jede Etappe im Tal, beim Posto tappa beginnt, über den Pass führt und dann im nächsten Tal endet. Da der Alpenhauptkamm hier von Nord nach Süd verläuft und die Täler sich von der Po-Ebene nach Westen hochziehen, kommt man so ziemlich über jeden alten Pass und in so ziemlich jedes piemontesische Bergtal. Also ein ständiges Hoch- und wieder Absteigen, im Durchschnitt ging es für mich jeden Tag 1250m hoch und wieder hinunter.

Am Ende macht aber gerade das den Reiz aus: Was wartet hinter dem nächsten Pass? Kann ich schon den Monviso, den Monte Argentera entdecken? Der Anstieg selbst strengt kaum mehr an, denn die Muskeln bauen sich schnell auf. Und das macht einen auch jeden Tag ein bisschen stolz.

5. Flexibel bleiben

Die angegebenen Etappen teilen die Strecke schon sehr gut ein, man kann sich gut danach richten. Manchmal allerdings hast du die Wahl zwischen alternativen Wegen, oder du willst nach der Karte ein besonderes Tal erkunden, oder, wie es mir zweimal passiert ist, einen sehr hohen Pass mit zuviel Restschnee vorsichtshalber umgehen. Ich bin froh, dass ich klug genug war, mich nicht zu überschätzen, gerade da ich alleine und mit viel Gepäck unterwegs war. Die selbstgesuchten „Umleitungen“ durch Frankreich, etwa durch das Vallon de Bouchouse am Monviso, waren sicher ebenso spannend, einsam und aussichtsreich wie die vorgeschlagene Strecke.

Der Zeltplatz im Vallon de Bouchouse, noch relativ weit unten.

Hier allerdings eine kleine Warnung: Auf der italienischen Karte sind die französischen Gebiete mit Geländeniveau und Wegverlauf nur skizziert! Es ist dort keineswegs immer alles eben und eintönig, auch wenn die Karte das vorgibt! Das kam für mich im ersten Moment doch etwas überraschend. ;-)

6. Einkaufen und Proviant

Wenn du mit Zelt unterwegs bist und dich selbst verpflegen willst, erfordert das etwas mehr Planung. Schließlich kommst du im Norden nur alle paar Tage, im Süden eventuell gar nicht mehr durch Dörfer mit einem Lebensmittelladen. Ich hatte immer Essen für vier volle Tage dabei, das ist ganz schön Gewicht. Gerade der Proviant für Frühstück und Mittagessen, also Brot, Käse, Wurst und diverse Snacks, kann auch mal knapp werden. Manche Hütten und Posto tapppa verkaufen auch Lunch-Pakete, aber da meine größte Angst das Verhungern ist, war ich nicht immer entspannt. Am Ende bin ich dazu übergegangen, auf den Hütten in den Seealpen mittags ordentlich Omelette und Kuchen zu essen und abends am Zelt auch noch selbst Nudeln zu kochen. Am Übergang vom Valle Maira zum Valle Stura habe ich extra die Route geändert, um in dem an sich hässlichen Städtchen Bersezio in einen Fress- und Kaufrausch verfallen zu können. Letztlich habe ich etwa die Hälfte aller Nächte im Posto tappa oder auf der Hütte übernachtet und dort auch die ortstypischen, leckeren dreigängigen Abendessen genießen können.

Pause am Refugio Jervis mit Blick auf die Hochebene Conca del Prá.

Mein Geheimrezept fürs Trinken, wenn mich das reine Bergwasser langweilt: Die 400g-Packung Zitronenteepulver! Ist zwar eigentlich nur Zucker, schmeckt mir unterwegs aber super und ich bin der Meinung, dass es mir auch ganz viel Kraft gegeben hat. Manchmal reicht ja die Einbildung aus. Bei meinem Mischungsverhältnis reichte die Menge ziemlich genau für eine Flasche jeden Tag. Mmmmh!

Legga!

7. So wenig wie möglich, so viel wie du möchtest

Bei der Vorbereitung auf die Tour bin ich zum ersten Mal auf die Idee des „Ultraleichtwanderns“ gestoßen. Da nimmt man höchstens 5–10 Kilo mit und spart an jedem Gramm. Früher hatte ich einfach immer alles in den Rucksack geschmissen und bin dann mit 22, 23 Kilo losgezogen. Nun wollte ich Gewicht sparen, aber zugleich den gewohnten Komfort behalten: Statt eines ultraleichten Tarps habe ich mich doch für ein echtes Zelt entschieden, das mir das Gefühl eines echten Zuhauses vermittelt: Wenn die Mücken nerven oder der Regen reinweht, machst du zu und alles ist dicht. So habe ich einiges in die Ausrüstung investiert: Ein Einpersonenzelt, das nur 1,2 Kilo wiegt (MSR Hubba), einen um 50% leichteren neuen Daunenschlafsack bis 0 Grad, einen leichten Gaskocher mit 2 Töpfen, der im Set nur 290g wiegt statt wie der Trangia früher über ein Kilo. Anziehsachen habe ich zum ersten Mal wirklich nur zwei Sets mitgenommen: Eins am Körper, das abends mal schnell durchgewaschen wird, das andere als Ersatz. Das Einzige, was ich am Ende fast nicht gebraucht habe, waren Regenklamotten, Handschuhe und Knieschoner – aber auf sowas verzichtet man auch nicht. Bei Waschsachen, Beuteln, Handtuch nimmt man natürlich immer leichte Sachen.

Und dann kamen natürlich die anfangs vier Kilo Essen dazu. Ok, war etwas übertrieben. Ich müsste nicht unbedingt 10 Mr. Toms mitnehmen, die für zwei Wochen reichen, nur weil es Kult ist. Die 500g deutsches Vollkornbrot hingegen haben mir einige nahrhafte Mittagspausen ermöglicht, bevor ich dann auf Weißbrot umsteigen musste. Fürs Abendessen hatte ich mir zuhause nach einem Rezept meines Bruders kurzkochende Nudeln, getrocknete Steinpilze und Tomaten vorbereitet, die in Brühe aufgekocht wurden.

Oh! Zur Abwechslung mal Nudeln mit Steinpilzen und Tomaten!

8. Luxus: Mein Fernglas

Ich konnte auch nicht ultraleicht wandern, weil ich auf einigen Luxus nicht verzichten wollte: Einen E-Book-Reader, der für Ablenkung und Unterhaltung an den langen Abenden diente. Drei Romane habe ich durchgelesen! Dann der Wanderführer aus Papier und all das Essen. Und schließlich ein gutes Fernglas (Zeiss Conquest HD): Ich liebe es einfach, mich noch intensiver in die Landschaft zu vertiefen und Gipfel oder Tiere zu beobachten; außerdem war das Glas auch ein paarmal nützlich, um den ferneren Verlauf des Weges zu erkennen oder den richtigen Weg über die Schneefelder auszukundschaften. 675g, die ich sehr gerne getragen habe.

Mein liebstes Mitschleppsel.

Insgesamt kam ich so auf 12,5 Kilo, dazu anfangs noch 4 Kilo Essen (das wurde im Verlauf weniger) und ein Liter Wasser in der Flasche — also etwa 17 Kilo maximal. Für manche ist das wahnsinnig viel, für mich war das in Ordnung und keine allzu große Belastung, gerade so viel, dass ich an den Pausen froh war, den Rucksack abnehmen zu können, aber noch kein Grausen spürte, ihn wieder aufzusetzen.

9. Die Ausrüstung: Wanderstiefel, Stöcke & Co.

Zudem wollte ich auch an der Qualität der übrigen Ausrüstung nicht sparen. Es ist immerhin hochalpines Gelände, da ist die Belastung groß und es kann viel passieren. Das heißt: Regensachen und warme Klamotten sind ein Muss.

Viele Ultraleichtwanderer argumentieren, dass man auch an den Schuhen Gewicht sparen kann, und gehen mit leichten Trailrunnern los. Für mich keine Option: Auf echte Treckingschuhe mit hohem Schaft und steifer Sohle verzichte ich nicht. Wenn Du viele Stunden über Geröll oder Felsen gehst, dazu noch mit Gepäck, dann erspart die feste Sohle deinem Fuß ganz viel Dehnungen und Anstrengungen. Ich habe tatsächlich beim Bergabgehen gemerkt, dass ich meine Schritte mit mehr Sicherheit und Vertrauen setzen konnte und auch deutlich schneller war als jemand, der sich immer ganz einfache Tritte suchen muss. Mir geben feste Schuhe fast schon einen zusätzlichen Kraftschub, ganz zu schweigen von dem geringeren Risiko, umzuknicken. Mit richtigen Bergstiefeln kann man auch mal auf einem Schneefeld mit geringem Aufwand Trittstufen freischaben.

Dazu gehören für mich auch Wanderstöcke, die viel Belastung von den Knien nehmen und für Sicherheit beim Gehen sorgen. Auf steilen Schneefeldern konnte ich mit Stecken fast schon nach dem 3-Punkt-Prinzip gehen und hatte immer einen festen Stand.

10. Zelt? Oder Hütte und Posto tappa?

Für mich gibt es nichts Schöneres, als abends an einem abgelegenen Bergsee oder einem kleinen Bach mit Gipfelpanorama mein Zelt aufzustellen. Auf der Isomatte herumzuliegen, wenn keiner mehr vorbeikommt. Was zu köcheln, den Sonnenuntergang zu bestaunen und dann an frischer Luft in den Schlafsack zu kriechen. Und ungestört aufzustehen, wann immer ich will. Dafür nehme ich das zusätzliche Gewicht gerne in Kauf. Möglicherweise bin ich ja etwas misanthrop veranlagt, aber die Vorstellung, abends auf einer rammelvollen Hütte etwa an einer der Hauptstrecken der Alpenüberquerung wie dem E5 Oberstdorf-Meran zu sitzen, jagt mir Gruselschauer über den Rücken.

Allerdings muss ich gestehen: Hier im Piemont ist es relativ gut möglich, von Hütte zu Hütte zu gehen. Viele der Wanderer, die ich getroffen habe, machten eine kleinere 5- oder 10-Tage Tour und wechselten dabei von Frankreich nach Italien und zurück. Der Mercantour-Nationalpark bietet da ganz viele Möglichkeiten und schließt oft die Täler des Piemont mit ein. Es gibt recht viele Hütten, und alle waren (zumindest zu dieser Jahreszeit) kaum belegt. Man meldet sich am Tag vorher an und dann bekommt man Bett und Essen. Wenn man mit jemanden gehen möchte, der partout nicht so viel tragen oder auf keinen Fall zelten möchte — dann wäre eine Hüttenwanderung hier sogar für mich eine gute Option. Und dann könnte ich sogar mal mit meiner Frau oder der ganzen Familie gehen. Wär vielleicht auch schön … :-)

Allerdings wird die Reise dann auch teurer. Üblich ist ein Preis von 50,- Euro für ein abendliches 3-Gang-Menü, die Übernachtung im Mehrbett-Hüttenzimmer und ein spartanisches Frühstück; mit DAV-Ausweis noch 44,- Euro. Wein inklusive, Bier geht extra.

In den Posto tappa ist manchmal das Essen aufwendiger, die Preise weichen je nach Standard etwas ab — bis hin zu “Werfen Sie einfach eine Spende in den Briefkasten” im unbewirtschafteten Posto tappa von Balziglia, wo man quasi im Waldenser-Museum übernachtet. Und sich selbst bedienen und was kochen kann. Bei mir gab’s zur Abwechslung mal Nudeln mit Steinpilzen und Tomaten.

Kleiner Nachtrag: Wie sieht’s mit dem Wildzelten aus? In Italien hatte ich nie Probleme, da wird das allgemein toleriert und manchmal haben mir die Hüttenwirte sogar noch Tipps für schöne Stellen gegeben. Natürlich achte ich darauf, das Zelt möglichst versteckt, abseits von bewohnten Orten und dem Wanderweg, aufzustellen, oder ich baue es erst später auf, wenn so ab 18 Uhr ziemlich sicher keine Leute mehr vorbeikommen — ich will einfach nicht gesehen werden. Besonders schutzwürdige Stellen (z.B. Orchideenwiesen) nutze ich nicht und wenn ich weitergehe, sieht natürlich alles so aus wie vorher. In Frankreich ist in den Parks wie zum Beispiel im Mercantour das “Zelten” verboten, aber das “Biwakieren” erlaubt. Da darf man dann in einer bestimmten Entfernung von der nächsten Straße zwischen 19 und 9 Uhr ein kleines Zelt aufstellen. Das passt doch.

Weitere Nachträge: Inzwischen habe ich aus den GPS-Daten meiner Tour eine Google-Karte erstellt, in der die Strecke und die Übernachtungen hinterlegt ist. Siehe oben, nach dem ersten Absatz.

Und meine Route mit allen einzelnen Etappen im Detail ist jetzt auch online. :-)

Und nun habe ich die Tour auch bei Outdooractive veröffentlicht, mit herunterladbaren GPS-Track:

Link geht nicht? Vielleicht der hier? → Outdooractive

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